Gemeindenachrichten Dienstag, 14.02.2012 Braucht Weingarten eine Bürgergenossenschaft?Kaffeenachmittag und Seniorensport, Tauschring und Taschengeldbörse, Kinderbetreuung und Krankenpflege: in Weingarten gibt es bereits viele Möglichkeiten, Hilfe in allen Lebenslagen und für viele Bedürfnisse zu bekommen und im Gegenzug auch anzubieten.
Mit einer „Bürgergenossenschaft“ soll nun kein weiteres Einzelangebot geschaffen werden, sondern eine Organisationsform, in der der Einzelne als Mitglied Hilfe geben und nehmen kann, sei es auf der Basis von Gegenseitigkeit oder geldwerten Ausgleichs. Die Freien Wähler hatten diese Idee angestoßen und an einem Informationsabend im November am Modell der Gemeinde Riedlingen vorgestellt. Dort erbringt vorwiegend die Altersgruppe der nicht mehr Berufstätigen diese Leistungen. Weingarten will von diesem Modell insofern abweichen, als auch die Jugend eingebunden werden soll. Darum soll auch der Name nicht – wie in Riedlingen – „Seniorengenossenschaft“ lauten, sondern „Bürgergenossenschaft“. Am Donnerstagabend fand die zweite Versammlung statt. Es ging darum, festzustellen, welche Angebote es in Weingarten schon gibt und woran es den Senioren noch fehlt.
Rund 25 Anwesende vertraten Organisationen: Das Familienzentrum, die Kirchen, die Sozialstation, das Diakonische Werk, die Vereine. Einige Gemeinderäte, darunter Wolfgang Wehowsky, der auf die damalige Anregung der „Zukunftswerkstatt“ durch die SPD verwies. Die Leiterin des Seniorenzentrums "Haus Edelberg", Apotheker Heinz Hüttner und einige „interessierte Mitbürger“ waren anwesend. Immer wieder fiel der Begriff der „Vernetzung“, womit gemeint war, Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen. Als dringendes Problem der Senioren wurde die fehlende Mobilität genannt. Fahrdienste aller Art werden gebraucht, vom Einkaufsbus nach Karlsruhe bis zum privaten Abholdienst zum Arzt oder ähnliches. Ein Vorschlag, alt und jung zusammenzubringen, war Gartenarbeit, die Jugendliche von Senioren erlernen und damit zugleich diese entlasten könnten. Die Apotheken sehen sich in einer Lotsenfunktion von Information, Beratung und Weiterleitung an Hilfseinrichtungen. Letztendlich war klar, dass es an Transparenz fehlt – auch der vor wenigen Jahren von der Gemeindeverwaltung aufgelegte Seniorenwegweiser scheint dafür nicht geeignet - und an einer Struktur. Unter dem Vorsitz von Heinz Schammert wird sich nun eine Arbeitsgruppe konstituieren, die eine entsprechende Organisationsform erarbeiten soll. Einige der Anwesenden hatten sich zur Mitarbeit bereit erklärt und in eine entsprechende Liste eingetragen.
Bürgermeister Eric Bänziger begrüßte die Schaffung einer solchen Bürgergenossenschaft sehr, denn er meinte, „unsere Gesellschaft verarmt im sozialen Miteinander“. Eine Beteiligung der Jugend sah er als notwendig an, aber zugleich als „die große Herausforderung“. Seitenanfang | Seite drucken |