Gemeindenachrichten Donnerstag, 22.12.2011 Grün und blau: „TBS“ heißt TurmbergschuleDer Eingangsbereich der Turmbergschule sieht jetzt richtig klasse aus. An der dem Hauptschuleingang gegenüber-liegenden Stirnseite haben Schüler und Schülerinnen der Ganztagesbetreuung den Namenszug ihrer Schule in einem großformatigen Graffiti angebracht.
Angeleitet hat sie der Weingartener Graffiti-Künstler René Sulzer, angestoßen und betreut hat das Projekt die Schulsozialarbeiterin Andrea Ganninger. „Ich fand es eine sehr gute Idee, diese unansehnliche Wand auf diese Weise zu verschönern“ freut sich Rektorin Karin Sebold. Weil sie das Ergebnis so gelungen fand, hat sie es als Motiv für ihre Grußkarten verwendet, die die Schule zu allen möglichen Anlässen verschickt. „Das wertet die Arbeit noch ein wenig mehr auf und das hat sie auch verdient“ sagt sie dazu.
Andrea Ganninger hat im November 2010 an der Schule angefangen und in dieser Zeit bereits mehrere Projekte mit den Jugendlichen durchgeführt. So beispielsweise mit der neunten Klasse ein Training in „Sozialer Kompetenz“, mit den Drittklässlern dasselbe – dieses Mal in Zusammenarbeit mit den Sportlehrern – und mit der sechsten Klasse ein Projekt in Sachen „Gewaltprävention“. Zusätzlich bietet Andrea Ganninger den Besuch von jugendorientierten Theaterstücken oder sonstigen kulturellen Unternehmungen an. Sie fühle sich in Weingarten wohl und habe den Eindruck, ihre Arbeit werde angenommen, sagt sie selbst. Andrea Ganninger ist geprüfte Jugend- und Heimerzieherin und hat eine Ausbildung als systemische Familien- und Einzeltherapeutin. Ihr Berufsleben hat sie durch 15 Jahre Erfahrung in der Jugendhilfe angereichert.
Sie trug ihre Idee, „eine der hässlichsten Stellen im ganzen Schulhaus, dazu noch im prägnanten Eingangsbereich“ mit ihren Schützlingen unter professioneller Hilfe zu verschönern, dem Bürgermeister vor. Eric Bänziger war von der Idee sehr angetan. Er begrüßte das sinnvolle, kreative Vorhaben und sagte ihr Unterstützung zu. So übernahm die Gemeinde die Kosten für die Spraydosen, den Künstler hat das Jugendbegleiterprogramm finanziert.
„Mir ging es darum, den Jugendlichen zu zeigen, dass es hier absolut nicht um wildes Party-Sprayen geht“ sagt René Sulzer. Im Gegenteil, sein Ziel war, den Jungen und Mädchen das Medium Sprühdose als ernstzunehmendes Arbeitsmittel nahezubringen. Sie sollten erfahren, dass das, was sie machen, echte Arbeit ist, die Konzentration, Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert. „Die Vorarbeit war echte Knochenarbeit“ sagt er. Aber das sei gut so, denn dadurch lernen die Schüler auch, Arbeit wertzuschätzen und bekommen Respekt vor dem Tun anderer Menschen. Am Beginn des Vorhabens stand eine Grundierung des Untergrunds, denn Fliesen seien für Besprühen nicht von vornherein geeignet. Auf die Grundierung – was schon an sich eine harte und eher langweilige Arbeit war – folgte die Lackierung, danach planvolles Vorgehen. In den Farben des Gemeindewappens – grün und blau – sollte der neue Schriftzug entstehen. Außerdem wurden die Säulen in dem Durchgang in denselben Farben gestrichen. Sulzer verstand es, die Jungen und Mädchen mit, ihren Fähigkeiten entsprechenden, Aufgaben zu betrauen, so dass ein echtes teamwork entstand. Im Lauf eines langen Prozesses, der sich über ein ganzes Schuljahr erstreckte (wöchentlich eineinhalb Stunden) entwickelte sich auf diese Weise ein echtes Vertrauensverhältnis. Nicht nur dass der junge Künstler und Andrea Ganninger, die das Ganze selbstverständlich aktiv mit begleitete, stets ein offenes Ohr für Gespräche hatten, sondern auch Sekundärtugenden wurden geweckt. Dazu gehörten der sorgfältige Umgang mit dem Material und dem Handwerkszeug ebenso wie eine grundsätzlich sorgfältige, disziplinierte Arbeitseinstellung, vom Vorskizzieren angefangen bis zum Auswaschen einer Farbrolle am Ende. Er sei kein ausgebildeter Pädagoge, sagt Sulzer, aber er beziehe seine Lebenserfahrung mit ein. Sicherlich ein authentischer Weg, Schülern zu begegnen.
Andrea Ganninger ist parallel zu ihren Projekten auch Anlaufstelle für viele Einzelgespräche. Sie versteht sich als helfende und beratende Instanz, die den Jugendlichen bei Problemen aller Art zur Seite steht. Dazu hat sie Sprechzeiten eingerichtet, in denen sie – mit und ohne Termin – aufgesucht werden kann. Auf mindestens vier bis fünf Besuche am Tag schätzt sie ihr Arbeitspensum. „Die Jungen und Mädchen kommen grundsätzlich freiwillig und aus eigenem Antrieb zu mir“ erklärt sie. Bei ihr können sie „alles loswerden“ worüber sie sich zur Zeit Gedanken machen, sei es Ausbildung, Beruf und Zukunft, sei es Liebe, Freundschaft oder Geld. Sie arbeitet eng mit den Lehrkräften zusammen, ermöglicht ihnen Hilfe bei Konflikten an, Begleitung bei Elterngesprächen und eben themenbezogene Projekte in den Klassen. Umgekehrt ist sie auch Anlaufstelle für Eltern und schafft Verbindungslinien zur Schule und bietet Beratung und Unterstützung in Erziehungs- und Lebensfragen. Seitenanfang | Seite drucken |