Gemeindenachrichten Mittwoch, 22.06.2011 Historische Baumkelter im Gewächshaus Stärk„Ich bin jemand, der viel Respekt vor der Arbeit anderer hat. Früher haben sich die Leute mit ihrem alltäglichen Arbeitsgerät richtig Mühe gegeben, das auch schön zu gestalten, wie zum Beispiel diese Schnitzereien hier. Heute wäre so etwas nur glatt und funktional.“
Was Petra Stärk so bewundert, ist die Verzierung einer Baumkelter. Roland Stärk hat das Monstrum im Gewächshaus seines Weingartener Gartenbaubetriebes aufgestellt, dort wo sonst monumentale Olivenbäume und andere mediterrane Pflanzen stehen und ab und zu Konzerte der Weingartener Musiktage gespielt werden. Der hölzerne Balken ist mit kleinen geschnitzten Rauten verziert, die auch noch bemalt sind und das Arbeitsgerät in Petra Stärks Augen so aufwerten. Und so funktioniert das Teil:
Der etwa drei Meter lange Balken, der an einem Stück aus einem Stamm geschnitten wurde, liegt auf einem Steckholz auf. Mittels einer Kurbel wird dieser Balken über ein Gewinde an einem Ende nach oben geschraubt bis er einen Winkel von rund 30 Grad erreicht hat. Unter dem anderen Ende steht auf dem Presstisch ein Korb mit Trauben, auf denen ein Deckel aus starken Bohlen liegt. Das Steckholz wird wieder entfernt und nun beginnt das Keltern. Mittels der Kurbel wird der Baum langsam heruntergelassen, sein Gewicht presst auf die hölzernen Bohlen, dazwischen liegt noch zusätzlich ein Gewichtsstein. Ist der Punkt erreicht, an dem der Hebeldruck nicht mehr ausreicht, tritt eine zweite Spindel in Funktion, mit deren Hilfe der Pressvorgang vollendet wird. Der ausfließende Saft fließt in ein Becken aus Sandstein, von dort in entsprechende Behälter. Entdeckt hat Roland Stärk die Baumkelter über eine Anzeige in dem landwirtschaftlichen Wochenblatt „BW agrar“: „Baumpresse zu verkaufen“. Die angegebene Adresse war in Aschaffenburg. Als leidenschaftlicher Sammler alter Geräte, deren Herstellung einst nicht nur viel Mühe gekostet hat, sondern auch vom Einfallsreichtum und Sachverstand ihrer Erfinder zeugt, war sein Interesse geweckt.
Kurzerhand fuhr der Weingartener Landschaftsgärtnermeister ins Fränkische und erstand das historische Teil. Eine Inschrift „Mathias und Franz IHS ISKA Bresleitner“ gibt Auskunft über die möglichen Vorbesitzer sowie die Jahreszahl 1860 über das mutmaßliche Entstehungsjahr. Die Bedeutung der Buchstaben IHS ISKA ließ sich – bisher - nicht ermitteln. Seitenanfang | Seite drucken |