Gemeindenachrichten Mittwoch, 11.05.2011 Informationsrundgang auf dem Friedhof mit dem Ortsseniorenrat und Bürgermeister BänzigerLücken schließen statt Flächen erweitern - Großes Interesse fand die Einladung des Ortsseniorenrates zu einer Friedhofsbegehung mit Bürgermeister Eric Bänziger.
Der Vorsitzende Willi Reichert erläuterte die Zielrichtung des Nachmittags, nämlich sachliche Erläuterungen über die Organisation des Friedhofs und die verschiedenen Möglichkeiten wie Erdbestattung, Urnenfelder und anonyme Bestattung zu bekommen.
Der Weingartner Friedhof, begann der Bürgermeister, sei groß und parkähnlich gestaltet. Was Auge und Seele zwar gut tut, strapaziert aber den gemeindlichen Geldbeutel. Als Beispiel nannte Herr Bänziger die zahlreichen Hecken, die die Gräberfelder voneinander trennen und den Friedhof strukturieren. Insgesamt kommen 2700 laufende Meter Schnittfläche zusammen. Verglichen mit einer vielleicht 15 Meter langen Hecke am eigenen Haus sei ungefähr vorstellbar, welchen Arbeitsaufwand allein das bedeute. Es gilt, den bestmöglichen Kompromiss anzustreben zwischen üppigem Grün, das eine Atmosphäre von wohltuender Ruhe schafft, und trotzdem möglichst einfacher Pflege.
Wie sich das vereinbaren lässt, zeigte der Bürgermeister an mehreren Beispielen: Die Gemeinde ist bestrebt, Lücken in den bestehenden Gräberfeldern sukzessiv aufzufüllen und nur so viel neue Flächen dazuzunehmen wie absolut nötig. Überalterte Gräberfelder mit abgelaufenen Liegefristen werden möglichst komplett abgeräumt, wobei im Einzelfall eine sensible Lösung getroffen wird. Durch diese Vorgehensweise entstehen nach und nach zusammenhängende Quartiere, die zunächst als leicht zu pflegende Rasenflächen angelegt werden und damit zugleich als Reserveraum für verschiedene Nutzungen dienen.
Wie diese Nutzung aussehen wird, entscheidet der Gemeinderat. Vorstellbar seien – natürlich neben der Erdbestattung - weitere Urnengräberfelder, aber auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel einen Friedhof für Muslime mit Ausrichtung nach Osten oder einen Platz für anonyme Bestattungen – ein solcher Platz ist übrigens in Weingarten schon vorhanden –, oder auch ein Friedwald wäre denkbar.
Immer wieder interessierten die Liegezeiten, wenn auch aus unterschiedlichen Aspekten. Was geschieht mit den Aschen in den Urnen, wenn diese Gräber abgeräumt werden? Wann muss ein Baum im Friedwald gefällt werden? Wie lange darf ich ein Wahlgrab nachkaufen? Alle diese Fragen betreffend die einzelnen Grabarten regelt die Friedhofssatzung der Gemeinde, die im Rathaus einzusehen ist. Aber der Bürgermeister ließ keinen Zweifel, dass vermehrte Pflege vermehrte Kosten bedeute und sich das schließlich auf die Gebühren niederschlage. Die preisgünstigste aller Alternativen ist die anonyme Bestattung.
Pflegeleichtigkeit gilt auch für das Kolumbarium. Hier wurde unter den Rollsplitt eine Wabenmatte eingebaut, die ebenso ein Einsinken in den Kies verhindern wie den Unkrautwuchs unterbinden soll. Außerdem sind keine einzelnen Blumengebinde erlaubt, lediglich in den Vasen neben den Sitzgelegenheiten darf Blumenschmuck stehen, der abends wieder mitgenommen wird. Nachdem die Schmierereien weitestgehend beseitigt – etliche Platten müssen doch ausgetauscht werden – wurden, ist bereits die erste Grabkammer belegt. Bis zu vier Urnen können in einer Kammer untergebracht werden, das bedeutet über 800 Bestattungen. Dennoch ist der Platz für die Erweiterung schon vorgesehen.
Zusammenfassen, strukturieren, ordnen gilt auch für die Kriegsgräber. Die jetzt bestehenden bleiben an Ort und Stelle und die davor liegenden „Normalgräber“ werden nach und nach nicht mehr belegt, um die Kriegsgräber würdig ins Licht zu rücken. Die verstreut liegenden Kriegsgräber haben keinen Bestandsschutz. Die Grabstätten werden zwar abgeräumt, die Namen sollen jedoch auf einem zentral aufzustellenden Gedenkstein angebracht und somit erhalten werden.
Was Bäume und Sträucher betraf, so war an vielen Stellen bereits kleinräumig eine ordnende Hand zu bemerken. Die ganze Anlage wirkte im öffentlichen Bereich gepflegt und durchdacht. An den Gießstationen sind kleine Wägelchen gegen eine Pfandgebühr von 1 € zu leihen, hölzerne Boxen mit Erde und Feinsplitt zur eigenhändigen Grabausbesserung sollen an bestimmten Stellen noch folgen.
Die letzten Beispiele für eine Neuorganisation des Friedhofs galten den Wegen und der alten wie der neuen Kapelle. Was die Wege betrifft, sei immer wieder festzustellen, dass Bäume mit ihren Wurzeln Kantsteine lockern oder den Asphalt aufsprengen. Um diese Reparaturkosten zu sparen, werde in Erwägung gezogen, den Asphalt zu entfernen und feinen Rollsplitt aufzubringen. Die Besichtigung endete bei der Kapelle. Möglicherweise soll die links neben der jetzigen befindliche alte Kapelle zu einem würdigen Aufbahrungs- und Verabschiedungsraum umgebaut werden, damit „für alle Belange am Ende des Lebens eine gute Lösung gefunden wird“, sagte Bürgermeister Eric Bänziger. Seitenanfang | Seite drucken |