Gemeindenachrichten Donnerstag, 14.04.2011 Hunderte betroffene Weingartner Bürger hielten Mahnwache„Unglaublich. Schrecklich. Hässlicher geht es nicht.“ Vor mehreren hundert Menschen, die am Sonntag zu einer Mahnwache auf den Friedhof gekommen waren, fand Bürgermeister Eric Bänziger starke...
...und zutreffende Worte, mit denen er die allgemeine Meinung über die Besudelung des Kolumbariums wiedergab.
Als „die Tyrannei eines Einzelnen gegen unsere Demokratie“ bezeichnete er die schamlose Tat, die Wellen der Empörung ausgelöst hatte. Darum begrüßte er den Aufruf des Bürgers Werner Burst „Empört Euch!“ als eine Initiative aus der Bürgerschaft für Bürger.
Schon wenige Tage nach der feierlichen Segnung war die neu erbaute Ruhestätte mit Schriftzügen entweiht worden und in kollektivem Tun hatten Bänziger und die Vertreter beider Kirchen zu einer Mahnwache aufgerufen. Es ging darum, ein Zeichen zu setzen, Solidarität zu zeigen, Werte zu verteidigen. Werner Burst trat ans Mikrofon. Er gab seiner persönlichen Betroffenheit Ausdruck und dem brennenden Wunsch, auf diese ungeheure Tat reagieren und handeln zu müssen.
Die binnen kürzester Zeit organisierte gemeinsame Aktion sei „gelebte Ökumene“. Zu den vielen Menschen, die gekommen waren, sagte er, ihr Kommen zeige, „dass wir würdig und fähig sind, Werte zu schätzen und für diese einzustehen. Seit Jahrtausenden bestatten die Menschen ihre Verstorbenen und achten die Ruhe der Toten.“
Burst hielt ein unbeschriebenes Buch in der Hand und lud alle ein, sich mit seinem Namen, seinen Gedanken und Empfindungen in dieses Buch einzutragen. Er legte es in eine offene Nische. Das Buch solle eine Woche lang dort bleiben, um jedem Gelegenheit zu geben – ungeachtet des Risikos, was mit ihm passiere.
Pfarrerin Fuhrmann las das Wort aus der Bibel, das sagt: „Herr, schütze uns vor denen die Fassungslosigkeit und Empörung hervorrufen. Sie kommen aus dem Hinterhalt und planen Böses im Geheimen.“ Der katholische Pfarrer Olf sprach in einem offenen Brief an den Täter. „Warum hast Du das getan? Welche Wut trieb Dich dazu? Wem wolltest Du schaden? Die Lebenden stellen sich vor die Toten, die Lebenden stellen Dir diese Fragen und wollen es wissen.“ Mit eindringlichen Worten mahnte er den Unbekannten, „Du bist mehr als Deine Tat. Auch Du bist ein Geschöpf Gottes. Gib Antwort.“
Pfarrerin Fuhrmann beschloss die Mahnwache mit einem gemeinsamen „Vater unser“, das – wer könne – auch den Täter einschließen möge und Bürgermeister Bänziger formulierte die Hoffnung: „Möge es ein Zeichen sein, dass es sich nicht wiederholt. Danke.“ Seitenanfang | Seite drucken |